Künstliche Intelligenz – werden wir obsolet?

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Ohne Frage: Die künstliche Intelligenz ist hinter den Kulissen ganz groß im Kommen, wenn auch viele von uns im Alltagsleben nicht viel davon mitbekommen. In einigen Bereichen haben sich die smarten Rechner bereits etabliert, und es gibt immer wieder neue Erfindungen, die ihren Status verfestigen. Da kommt ganz von selbst die sorgenvolle Frage auf, ob wir Menschen eines Tags zum Alteisen gehören, überholt von einer Kraft, die wir selbst geschaffen haben.

Vorhersagen werden immer genauer

Wer hat schon einmal etwas von „vorhersagender Polizeiarbeit“ gehört? Computer werten Daten der Kriminalstatistik aus und werfen Prognosen über zukünftige Schwerpunkte aus, um die Polizei zu gezielten Einsätzen anzuleiten. Die zugehörige Software ist bereits in mehreren Bundesländern aktiv, zum Beispiel in Berlin und Hamburg – doch kaum einer hat’s gemerkt. In China treibt die Regierung das System auf die Spitze: Dort ist ein komplettes Überwachungs- und Bewertungsnetzwerk für alle Bürger geplant, ein Erziehungssystem, aus dem es im Zweifelsfall kein Entrinnen mehr gibt. Auch in der verarbeitenden Industrie und in der Medizin überschlagen sich die Neuentwicklungen, sodass inzwischen drängende Forderungen nach einer gründlichen Qualitätssicherung aufkommen. Wir sehen also, es geht voran – nur wohin wird das alles führen?

Künstliche Intelligenz – Gefahr oder nützlich?

Tesla-Chef Elon Musk hat jüngst seine Meinung bekräftigt: Er sieht die KI als mutmaßlich gefährlich an, hält sie sogar für riskanter als alles bisher Dagewesene. Die künstliche Intelligenz sei die „größte Gefahr für die Menschheit“, sodass jetzt schon dringende Maßnahmen anstehen, sie zu regulieren. Musk wünscht sich eine Aufsichtsbehörde, die für dieses Thema zuständig ist und uns vor dem Schlimmsten bewahrt. Das ist schon ziemlich harter Tobak!

Die Astrophysikerin und Pokerexpertin Liv Boeree schlägt zu diesem Thema ganz andere Töne an: Auf der HPE Discover Konferenz in Las Vegas sprach sie im Zuge einer Podiumsdiskussion über den Nutzen der künstlichen Intelligenz. Boeree freut sich schon jetzt darauf, mit Hilfe der KI einige große Fragen der Menschheit zu klären, zum Beispiel dunkle Materie zu analysieren und festzustellen, warum das Universum sich in der aktuellen Geschwindigkeit ausbreitet. Sogar die Philosophie könnte von den smarten Rechnern profitieren – und sie tut es ja bereits, indem sie uns zu Überlegungen anstiftet, ob unsere natürliche Intelligenz ihrem künstlichen Äquivalent auch in Zukunft noch genug entgegenzusetzen hat.

Stephen Hawkings, der geniale Vordenker und Wissenschaftler, war, wie wir alle wissen, auch eher skeptisch eingestellt. Er mahnte immer wieder an, neue Technologien allein zum Nutzen der Menschheit einzusetzen und nicht auf Abwege zu geraten. Die „künstliche Intelligenz könnte einen eigenen Willen entwickeln“, sagte er und ergänzte: „Die Entwicklung künstlicher Intelligenz könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist.“

Im Grunde haben wir also die Wahl, oder vielmehr diejenigen, die an den Strippen der Macht sitzen. Besonders beruhigend klingt das leider nicht. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hingegen legte seine Bedenken bereits 2015 ab und ließ sich darauf ein, mehr über die Chancen als über die Gefahren der KI nachzudenken. Die von Menschenhand geschaffenen Gehirne, so meint er, werden schlau genug sein, um zu wissen, „dass sie die Natur bewahren müssen“. Und da die Menschen selbst zur Natur gehören, seien sie automatisch geschützt.

Im Gegensatz zu Wozniak, der die mögliche Herrschaft der KI in ferne Zukunft verortet, geht der bei Google angestellte Zukunftsforscher Ray Kurzweil davon aus, dass schon in 15 Jahren Computer exakt dasselbe leisten können wie menschliche Gehirne. Das schockt den versierten Wissenschaftler aber nicht besonders, sondern er sieht diesen Vorgang als Teil der menschlichen Evolution an. Und obwohl sich Kurzweil völlig sicher ist, dass ein Großteil der heute bestehenden Jobs durch die technische Revolution wegfällt, gibt er optimistische Ausblicke auf den Arbeitsmarkt: Es werden sicher viele neue Aufgaben für Menschen entstehen, die wir jetzt noch gar nicht absehen können.

Die Zukunft hat längst begonnen

Wie dem auch sei: Die Zukunft steht in jedem Fall schon vor der Tür und wir sollten entsprechende Vorkehrungen treffen. Was spricht zum Beispiel dagegen, künstliche Intelligenzen wie menschliche Arbeitnehmer mit Steuern und Sozialabgaben zu belegen, um damit Arbeitslose und Schwache zu unterstützen? Vielleicht wird es in 10, 20 oder 30 Jahren tatsächlich nur noch wenig praktische Arbeit für uns Menschen geben, aber dann können wir, wenn alles gutgeht, auch von dem leben, was die Maschinen für uns erwirtschaften. Das wiederum setzt viele Kräfte für ehrenamtliches Engagement frei, freiwillige Tätigkeiten, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und die Lebensqualität verbessern und bisher eher stiefmütterlich behandelt wurden. Denn arbeitende Menschen können heutzutage kaum noch Zeit erübrigen, sich sozial zu engagieren oder die Freude am Anbau eigener Lebensmittel zu entdecken. Die KI als Chance auf die soziale Utopie? Vielleicht wenn die Weichen dafür richtig eingestellt werden, ja.

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Müssen wir uns also vor der Zukunft fürchten, weil wir Menschen dann durch unsere eigene Schöpfung wegrationalisiert werden? Ganz sicher nicht, denn Furcht lähmt und macht inaktiv. Es gilt aber ganz im Gegenteil dazu, wachsam zu sein und sich am Entwicklungsprozess möglichst aktiv zu beteiligen. Jeder dort, wo er jetzt steht, denn Großes hat seinen Ursprung immer im Kleinen.