10.07.2020

14:14 | mack&weise: Die Fed kann alles, nur kein Gold drucken

Obwohl der in rund 75 % aller Staaten nun vorsichtig versuchte »Restart« der Wirtschaft für teils kräftig anspringende Stimmungsindikatoren gesorgt hat, sah sich der IWF Ende Juni auf Grund deutlich „negativer als erwarteter“ »Shutdown«-Folgen zu einer kräftigen Abwärtsrevision seiner April-Prognosen gezwungen. Angesichts des beispiellos abgestürzten Welthandelsvolumens, der parallel weltweit deutlich eingebrochenen Industrieproduktion und der massiv angestiegenen Arbeitslosigkeit erwartet dieser nun eine wesentlich „tiefere Rezession“ in diesem Jahr und eine „langsamere, ungleichmäßige und unsichere“ Erholung der Weltkonjunktur im Jahr 2021.

Langfristig kann die FED gar nix - außer von fleißig nach reich umverteilen und wirtschaftliche Strukturen zu zerstören. Sollten sich in Shiva umtaufen! TB


08:04
 | wolf street: QE Unwind Speeds Up: Fed’s Assets Drop $85 Billion. Four-Week Total -$248 Billion. Big Chunk in a Short Time

Repos & dollar liquidity swaps on their way out. SPVs declined. Hardly bought any corporate bonds & ETFs. MBS flat. Treasuries ticked up.

Eine vor allem in dieser Dimension - in diesem Tempo wäre die coronaviruspandemiebedingte Ausweitung der Bilanzsumme in 12 Wochen abgebaut - doch überraschende Entwicklung, auch wenn die Federal Reserve diesen Prozess natürlich jederzeit wieder umkehren kann - und bei jeder schärferen Korrektur an den Aktienmärkten auch tun wird. AÖ

09.07.2020

11:08 | fazit - das wirtschaftsblog: Sind Target-Salden gefährlich?

Sind es Kredite? Sind es bloße Verrechnungssalden? Sind sie eine Gefahr, nur weil sie so hoch sind? Nachdem der Saldo der Bundesbank 995 Milliarden Euro beträgt, haben die Diskussionen wieder zugenommen. Anmerkungen zu einem komplexen Thema.

Erweiternd zu den Ausführungen von Braunsberger wäre zu sagen, dass es sich bei der Frage, was denn die Target2-Salden ökonomisch genau sind, nicht nur um eine Frage "der institutionellen Wahrnehmung des Europäischen Systems der Zentralbanken" handelt, sondern letztlich, was denn die EU in Zukunft sein soll. AÖ

08:08 | forbes: The Fed Doesn’t Just Print Money, It Also Prints Alpha

The Federal Reserve is a factory of sorts. It manufactures money, of course. It also manufactures, as a by-product, very high-quality “alpha” – which is finance-speak for an investment opportunity that offers returns well above the market average, the chance to “beat the market. ”Finding alpha is normally quite challenging – very few investors can do it well – but Fed-sourced alpha is easy to find, easy to understand, easy to harvest, and has been reliably available for quite some time.

Der folgenden Aussage von Ruchir Sharma ist nichts hinzuzufügen: "The stock market should be a barometer of the economy, but in practice it has become a barometer of Fed policy." AÖ

08.07.2020

19:43 | t-online:  Jeder vierte Lebensversicherer hat "ernste Probleme"

Des Deutschen liebste Versicherung – die Lebensversicherung – steckt in einer Krise. Mehr als ein Viertel der Anbieter hat Schwierigkeiten. Das liegt nicht nur an Corona. 
Die deutschen Lebensversicherungen sind nach einer Analyse des Bundes der Versicherten zum Teil in einer schwierigen Lage. "Mehr als ein Viertel der untersuchten Unternehmen hat ernste Probleme", sagte der Vorstandssprecher des Vereins, Axel Kleinlein. Der 1982 gegründete Verein hat nach eigenen Angaben rund 45.000 Mitglieder und versteht sich als unabhängige Lobby der Versicherten.

Jeder Leser der noch eine Lebensversicherung hat .... sollte sich einmal hinsetzen und nachrechnen.  Vorher sollten jedoch Herz- Kreislauf Medikamente eingenommen werden. Fakt ist, die Bedeckung der einbezahlten Vermögen durch Aktien, Anleihen und Immobilien (steht alles in der Bilanz eines Versicherers) sollten jedem klar machen .... beim leisesten "bummsti" an der Börse .... ist die Kohle .... bummsti.  
Versuchen wir es einmal von der logischen Seite zu sehen ..... wo soll ein Versicherer als Kapitalsammelbecken jetzt noch Zinsen erwirtschaften?  Was ist in den Fonds ... bei einer Fond Polizze und wieviel vom Kapital werden durch die Kosten aufgefressen ...... ist ihnen schon schlecht?  TS

17:04 | ft: Lagarde puts green policy top of agenda in ECB bond buying

Christine Lagarde, president of the European Central Bank, has opened the door to using its €2.8tn asset purchase scheme to pursue green objectives, promising to examine changes to all of its operations in the fight against climate change.It is the first time that the ECB president has committed to examine “greener” changes to all of the central bank’s operations, including asset purchases. “I want to explore every avenue available in order to combat climate change,” she told the Financial Times in a video interview. “This is something that I hold very strongly.”

Vielleicht sollte jemand der Madame Lagarde erklären, dass sie EZB-Präsidentin ist und nicht Parteivorsitzende irgendeiner GrünInnen*Außen-Partei. Sie könnte sich zum Beispiel um die neuerlich stark angestiegenen Target2-Salden kümmern. AÖ

 

07.07.2020

15:10 | MB:  Sowjetische Geldpolitik über alles: Nicht nur die EZB basiert auf dem realsozialistischen Geldsystem, auch die Federal Reserve folgt ihm

Der sowjetische Transferrubel als Vorbild für den Euro.  Vor längerem schon habe ich bei Wikipedia eine aus geldpolitischer Perspektive verstörende Entdeckung gemacht. Dort gibt es einen Eintrag zu einem gewissen „Transferrubel“, der dem realsozialistischen Ostblock vierzig Jahre lang als zwischenstaatliche Verrechnungseinheit diente.

.... es fühlt sich auch an wie in der Sowjetunion. TS

08:34 | voxeu.org: Three strikes against the Fed

The US Federal Reserve – the world’s most important central bank – is not in a good place. This column outlines three flaws in the operating practices of the Fed – (i) its refusal to adopt negative policy rates, (ii) the build-up of significant credit risks through non-transparent (quasi-)fiscal actions, and (iii) stress testing analysis which fails to account for the severity of the COVID-19 crisis. It proposes a number of ways forward, including a symmetric policy rate around zero, a temporary ban on dividend payments, new equity issuance, and conducting a comprehensive stress test of the financial system.

Es ist schon bemerkenswert, dass Buiter kein einziges Argument liefert, warum die Federal Reserve (signifikante) Negativzinsen implementieren soll. So wirkt das wie ein mit der Brechstange formulierter Vorschlag, der einfach deswegen funktionieren soll, weil er funktionieren muss. AÖ

06.07.2020

16:12 | bielmeiersblog: Anleihekäufe der EZB lassen Target2-Salden steigen

Der deutsche Target2-Saldo ist in jüngster Vergangenheit wieder merklich angestiegen und summiert sich derzeit auf etwa 916 Mrd. Euro (Stand Mai). Im Gegenzug sind auch die Target2-Verbindlichkeiten der europäischen Peripherie weiter angewachsen. Spitzenreiter ist hier weiterhin Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 517 Mrd. Euro. Der Anstieg der Target2-Salden dürfte vor allem durch das Anleiheankaufprogramm der EZB beeinflusst sein. So geht der Anstieg der positiven Target-Salden in Deutschland, Finnland, Luxemburg, Irland und den Niederlanden vergleichsweise eng mit einem Anwachsen des EZB-Anleiheportfolios einher. Perspektivisch ist allerdings davon auszugehen, dass sich das Auseinanderdriften der Target2-Salden weiter fortsetzt. So haben die europäischen Währungshüter zuletzt den Ankaufrahmen für das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) um 600 Mrd. Euro auf nunmehr 1.350 Mrd. Euro aufgestockt. Eine Trendwende bei der Entwicklung der Target2-Salden erscheint daher bis auf weiteres nicht abzusehen.

Der darauffolgende Satz in diesem Artikel enthält den Schlüssel zur gesamten Target2-Debatte: "Die Konstruktion des Target2-Systems legt nahe, dass keine gravierenden Risiken für die Gläubiger bestehen, solange das Eurosystem in seiner jetzigen Form fortbesteht." Die Frage, ob ein Auseinanderbrechen der Eurozone überhaupt (politisch) realistisch ist, spaltete die meisten Geister in dieser Debatte. Diese Relativierung hatte auch die Deutsche Bundesbank in ihrer Analyse 2011 vorgenommen. Österreich ist übrigens in dieser Statistik auf Seiten der Staaten mit Netto-Verbindlichkeiten zu finden. AÖ

08:52 | wolf street: QE Unwinds: Fed’s Assets Drop for 3rd Week, Another -$76 Billion. 3-Week Total: -$163 Billion

The Fed added some assets and shed other assets, and the net effect on the balance sheet for the week ended July 1, released Thursday afternoon, was that total assets dropped by $76 billion, after having dropped by $12 billion a week ago, and by $74 billion two weeks ago. That three-week drop of $163 billion was far faster than any three-week decline during the official QE unwind from late 2017 into 2019:

Wir sollten die Kirche schon im Dorf lassen, denn 3 Wochen machen noch keine Trendwende. Am Ende des Sommers werden wir sehen, wo die Bilanzsumme der Federal Reserve steht, nachdem sich die zu erwartenden ersten negativen Auswirkungen auf den Aktienmärkten materialisiert haben werden. Sollte sie dann dem Druck nach einer neuerlichen Ausweitung der Bilanzsumme standhalten, dann könnte ernsthaft von einer Trendwende gesprochen werden. AÖ

08:10 | faz: „Die EZB kann ihre Wirkung noch erhöhen“

John Greenwood sieht die Reaktion der Staaten auf die Corona-Krise positiv. Der Invesco-Chefvolkswirt empfiehlt den Zentralbanken, die Zinsen wieder zu normalisieren.

Bei der ganzen Gelddruckerei und potenziellen Gelddruckerei - Stichwort Helikoptergeld - wird vergessen, dass die Kaufzurückhaltung der Bevölkerung nur zum Teil auf fehlende Kaufkraft zurückzuführen ist. Die Kaufzurückhaltung speist sich vornehmlich aus der deutlich gestiegenen Unsicherheit über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung und dieses Vertrauensproblem kann durch staatliche Transfers bestenfalls gelindert, definitiv aber nicht gelöst werden. Da auch nicht davon auszugehen ist, dass das Coronavirus in Bälde verschwinden wird, muss eine vertrauensbildende Politik die Top-Priorität der politischen Verantwortungsträger sein. Und diesbezüglich sieht es ziemlich düster aus. AÖ

03.07.2020

15:50 | handelsblatt: Notenbanken könnten bald zu ihrem letzten Mittel greifen

Gerade erst hatten auch interessierte Laien den wichtigsten Fachbegriff in der Welt der Notenbanken verinnerlicht: Quantitative Easing (QE) meint den direkten Ankauf von Anleihen durch die Zentralbanken – mit dem Ziel, die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen zu senken. Doch es könnte sein, dass Beobachter der Geldpolitik sich schon bald an ein neues Instrument gewöhnen müssen: die sogenannte Kontrolle der Zinskurve.

Von der Beeinflussung der Leitzinsen zum Bestimmen von Staatsanleihenrenditen ist es doch ein kürzerer Weg, als bislang angenommen!
Willokommen in der Zentralbanken-Diktatur? TB

02.07.2020

12:50 | cnbc: Fed officials see need for ‘highly accommodative’ policy ahead, minutes show

The Federal Reserve on Wednesday released the minutes from its June 9-10 meeting, during which it held interest rates steady and said it expects loose policy to prevail until the economy gets back to normal.Officials also had an in-depth discussion about capping bond yields and strengthening guidance about where policy will be set in the future.

Nachdem eine Normalisierung der Lage weit und breit nicht in Sicht ist, heißt das nichts anderes, als dass die ultralockere Politik grundsätzlich fortgesetzt werden wird. Ein leichter Rückgang der Bilanzsumme der Federal Reserve wie in den vergangenen Wochen ist bis auf Weiteres also nur die Ausnahme von der Regel. AÖ

06:04 | Welt:  Plötzlich gibt es den Freibrief für die EZB im fragwürdigen Eiltempo

Die Europäische Zentralbank steht wegen ihres umstrittenen Anleihekaufprogramms in der Kritik. Kurz vor der Sommerpause sollen die Bundestagsabgeordneten sie nun entlasten. Kritiker zeigen sich vom Tempo und Zeitpunkt irritiert. Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) aus dem Jahr 2015 hat schon für viel Ärger gesorgt.

Warum über etwas diskutieren, das der Bürger sowieso nicht versteht und würde er es verstehen ....  Nach 15 Jahre Merkel ist die Kultur des Misstrauens stärker gewachsen und keiner darf sich wundern, dass die Bürger den Institutionen nicht mehr glaubt. Endspiel des Systems. TS

01.07.2020

13:04 | cnbc: Swedish central bank boosts QE program to fight pandemic downturn

Sweden’s central bank held its benchmark rate unchanged at 0% as expected on Wednesday and expanded its asset purchase program to 500 billion crowns ($53.63 billion) as it looked to soften the blow to the economy from the still raging pandemic. While Sweden has been hard hit by the pandemic and measures to slow the spread of infection, it looks to be through the worst and to have come off more lightly than many other countries.

Zu den "many other countries" zählen Deutschland und Österreich jedenfalls nicht, denn deren prognostiziertes Minus liegt ungefähr im Bereich der Prgnose für Schweden. AÖ

12:24 | fazit - das wirtschaftsblog: Britische Revolution

Zentralbanken kaufen Anleihen, als gäbe es kein Morgen mehr. Das hat keine Zukunft. Die Bank of England denkt schon heute an eine Zeit, in der sie Anleihen verkaufen wird.

Daran denken kann sie ja, ich bezweifle aber, dass ein Abbau im größeren Stil durchzuhalten wäre. Die Federal Reserve hat ihre Bilanzsumme 2018/19 nur um run 15% verkürzen können. AÖ

09:02 | wolf street: Negative-Interest Rate Champion Bank of France Now Frets About Ballooning Corporate Debt

All over the world, corporations have taken on huge piles of fresh debt to try to weather the crisis. Many of those companies — after years of interest rate repression that encouraged them to borrow — were already heavily indebted before the crisis began. This is particularly true of France, where corporate debt was growing at an annualized rate of 5.8% in February, before the virus crisis began, according to the Bank of France. In March, the rate of growth jumped to 7.1%. It then surged to 9.9 % in April.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass Macron als Zeichen der EU-Solidarität mit den hoch verschuldeten französischen Unternehmen ein EU-Rettungspaket fordert, das, wie immer, von den Deutschen hauptsächlich zu finanzieren wäre. Das Tragische an der heutigen Zeit ist, dass Macron diesen Vorschlag wohl bald wirklich vorbringen wird. AÖ

08:38 | wolf street: Fed Discloses it Bought Tiny Amounts of Corporate Bonds, Including a Whopping $15.5 Million (with an M) in Junk Bonds

The Federal Reserve disclosed Sunday afternoon the amounts and the company names of the corporate bonds that it started buying for the first time ever in the week ended Friday, June 19. They’re not even rounding errors on the Fed’s balance sheet. The purchases of individual corporate bonds amounted to $428 million (with an M). By comparison, in the week ended April 1, when the Fed was doing a lot of heavy breathing, it bought $362 billion (with a B) of Treasury securities.

Nachdem nicht davon auszugehen ist, dass es der Federal Reserve gelingen wird, diese Anleihen und ETFs abzustoßen, ohne - deutliche - Kursverluste zu verursachen, wird sie derartige Vermögenswerte dauerhaft auf ihren Büchern halten müssen. Damit würde die Federal Reserve, und mittlerweile viele andere Zentralbanken, zu einem unmittelbaren und dauerhaften Akteur in der Wirtschaftswelt werden. Das wäre ein gravierender Systembruch, denn bislang galt im modernen Geldsystem die Regel, dass die Zentralbanken das Geldangebot exogen bereitstellen, d. h. den monetären Rahmen für die Aktivitäen der Wirtschaftsakteure, nicht aber selber als Wirtschaftsakteur auftreten, jedenfalls nicht dauerhaft. AÖ