04.02.2020

15:21 | Geolitico:  Der Terror der Rechtgläubigen

Im Sommer 2019 kam auch in Deutschland das in England preisgekrönte Buch der britischen Althistorikerin und Journalistin Catherine Nixey über den Aufstieg des Christentums zur einzig erlaubten Religion im Römischen Weltreich heraus: Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten (München 2019; in der Folge: HZ). Schon der Titel zeigt auf, dass hier eine kritische Sicht auf eine geschichtliche Entwicklung stattfindet, die in der Geschichtsschreibung des Abendlandes eher schöngeredet wurde und auch weiter umstritten bleibt.

19:46 | Der Vatikan-Korrespondent
Mit der historischen Wahrheit scheint es die Autorin nicht allzu genau zu nehmen. In dieser Rezension ist von Lügen, Erfindungen und Inkompetenz die Rede:
So lest doch nur, wie bös sie waren!
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/catherine-nixeys-heiliger-zorn-wie-die-fruehen-christen-die-antike-zerstoerten-16395208.html
An den Quellen vorbei: In „Heiliger Zorn“ zimmert sich Catherine Nixey ein Bild von den Christen als Zerstörern der Antike. Mit historischer Genauigkeit kann ihr Werk nicht dienen. Im Gegenteil.

19.01.2020

18:05 | ET: Broder bringt neues Buch auf den Markt – und rät von dessen Lektüre ab

Seit 18. Dezember des Vorjahres ist das neue Buch des bekannten Publizisten Henryk M. Broder mit dem Titel „Wer, wenn nicht ich“ auf dem Markt. In der „Welt“ nutzt der Mitbegründer des Blogs „Die Achse des Guten“ nun die Möglichkeit, deren Abonnenten die Schrift in einem etwas mehr als drei Minuten langen Promotion-Video vorzustellen.

Die Leseratte
Ein Beitrag zu Hendrik Broders neuem Buch "wer, wenn nicht ich". Bitte auch auf den Link klicken und bei Amazon die Bewertungen lesen, die z.T. auch echte Rezensionen sind!

06.01.2020

14:24 | KenFM:    Hermann Ploppa (“Der Griff nach Eurasien”)

„Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“
Was wollte uns der britische Schriftsteller George Orwell mit dieser Erkenntnis sagen? Dass die Geschichte von den Siegern geschrieben wird und diese Sieger waren und sind immer recht großzügig, wenn es darum geht, die tatsächlichen Abläufe der Geschehnisse dahingehend zu frisieren, dass man selber als makelloser Held dasteht, während die Verlierer durch die Bank als Bestien dargestellt werden. Plump, aber effektiv. Propaganda wirkt.

Ein geniales Interview ..... must see!  TS

04.01.2020

14:52 | Heinz-Dietmar Schimanko: "Der Fall Reinthaller: Das Strafverfahren gegen Anton Reinthaller vor dem Volksgericht"

Die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen, die neuere Geschichte und die Zeitgeschichte aber im Besondern sind Gegenstand heftiger Kontroversen. Denn wer die Deutungshoheit über die jüngere Geschichte inne hat, der kontrolliert auch weitestgehend den tagespolitischen Diskurs. Allerdings ist auch der wissenschaftliche Diskurs gerade in den geisteswissenschaftlichen Fächern nicht frei von deutungshoheitlichen Einflüssen. Vielfach kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Differenzierte Ausführungen, d. h. der Wirklichkeit entsprechende oder ihr zumindest bestmöglich nahekommende, gelten im Kampf um die Deutungshoheit als ein Zeichen der Schwäche. Intellektuell bequemer, weil deutlich einfacher ist es daher, den Charakter und das Leben einer Person schwarz-weiß zu zeichnen. Allein, dieses holzschnittartige Vorgehen wird den allermeisten Menschen nicht einmal ansatzweise gerecht.

Dem guten Historiker gelingt es durch das intensive Studium vorhandener Quellen dort Kontinuitäten zu erkennen, wo diese tatsächlich bestehen, und dort Brüche und Widersprüche freizulegen, wo diese existieren. Zudem ist er sich der Kontextbezogenheit menschlichen Handelns bewusst. Der Ideologe im Gewand des Historikers weiß dagegen schon vorab das Ergebnis seiner Untersuchungen und macht dieses häufig an formalen Äußerlichkeiten wie der Zugehörigkeit zu einer Partei fest.

Von dieser ideologischen Voreingenommenheit ist im vorliegenden Werk „Der Fall Reinthaller“ von Heinz-Dietmar Schimanko nichts zu spüren. Näherhin wird „Das Strafverfahren gegen Anton Reinthaller vor dem Volksgericht“ – so der Untertitel der Publikation – einer Untersuchung unterzogen. Mit dieser Arbeit promovierte sich der Autor in Geschichte an der Universität Wien bei Professor Lothar Höbelt, ao. Professor für Neuere Geschichte an der Universität Wien. Anton Reinthaller hat für das aktuelle Tagesgeschehen in Österreich insofern Bedeutung, als er nicht nur ein Gründungsmitglied der Freiheitspartei war, die nur kurze Zeit später mit dem VdU zur FPÖ fusionierte, sondern auch der erste Bundesparteiobmann der FPÖ. Häufig gilt er als Beispiel dafür, dass die FPÖ von ihrer Substanz her ein Sammelbecken überzeugter National-Sozialisten gewesen sei. Dass Anton Reinthaller nicht in diese Kategorie fällt, ist ein – wichtiges – Nebenergebnis der Untersuchungen in dieser Arbeit, auch wenn er sich Zeit seines Lebens dem deutsch-nationalen Lager zugehörig gefühlt hatte.

Gleichwohl „Der Fall Reinthaller“ eine historische Arbeit ist, werden die dem Dissertationsthema zugrunde liegenden Rechtsfragen ausführlich erörtert. Dem Autor, der ebenfalls in Rechtswissenschaften an der Universität Wien promoviert hat, gelingt es, die komplexen juristischen Fragestellungen so aufzubereiten, dass auch ein juristischer Laie die Rechtsmaterie zumindest so weit durchdringen kann, um den Grund der Anklage auf Hochverrat, die Argumentationsweise von Anklage und Verteidigung sowie der verschiedenen Gerichtshöfe und die letztlich erfolgte Niederschlagung des Verfahrens bzw. Begnadigung nachvollziehen zu können. Dabei bedient der Autor nicht das beliebte Narrativ, wonach Netzwerke von Ehemaligen in allen Parteien, der für die Teilniederschlagung bzw. Teilbegnadigung zuständige Bundespräsident Theodor Körner gehörte der SPÖ an, sondern legt die Beweggründe der handelnden Akteure dar. Wie es sich für eine wissenschaftliche Arbeit gehört, werden die Argumente mit unzähligen Quellenverweisen und Zitaten untermauert. Die beiden wichtigsten vom Autor bemühten Quellen sind zum einen die im Landesarchiv Oberösterreich verwahrten Gerichtsakten und zum anderen die Rechtsanwaltshandakten von Dr. Otto Tiefenbrunner, einer der drei Verteidiger Reinthallers. Letztere hat Heinz-Dietmar Schimanko als Erster im Hinblick auf die Strafverfahren gegen Anton Reinthaller ausgewertet.

Die grundsätzlichen Erwägungen in Kapitel „5. Recht und Moral“ sind gerade ob ihrer Nüchternheit ein großer Gewinn für den Leser, umreißen sie doch grundlegende Fragen der Rechtstheorie wie Rechtspraxis im Spannungsfeld von positivem und über-positivem Recht, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Ebenso erkenntnisreich ist das der „Prozessberichterstattung“ gewidmete 7. Kapitel. Es führt deutlich vor Augen, dass die Medien auch damals dazu neigten, die Dinge nicht so darzustellen, wie sie wirklich sind, sondern wie sie aus der jeweiligen weltanschaulichen Position scheinen sollten, denn nicht nur damals verstanden sich die Medien mehrheitlich als Instrument der politischen Auseinandersetzung.

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