14.06.2024

09:09 | mises: Zur Ökonomik der Kriegswirtschaft und ihrer Inflation

Notstände und Krisen sind für Regierungen, Politiker und Bürokraten ein Mittel par excellence, um ihre Macht über ihre Mitmenschen auszuweiten. Eindrücklich und unmissverständlich hat das jüngst die Corona-Viruskrise gezeigt (beziehungsweise das, was Regierungen, Politiker und Bürokraten daraus gemacht haben). Der ultimative Notstand ist jedoch der Krieg. Er erlaubt es dem Staat, Dinge zu tun, die er in Friedenszweiten in der Regel so nicht zu tun vermag. Der Krieg ist nicht nur zerstörerisch mit Blick auf Menschenleben und Material, sondern auch für die Freiheiten des Individuums, für die freie Wirtschaft und Gesellschaft.

10:25 | Die Eule
Das Hinausposaunen, dass nun Kriegswirtschaft herrsche, bewirkt eben noch lange keine echte Kriegswirtschaft. Die führt sofort eine Rationierung der Waren des täglichen Bedarfs ein,
die dann nur noch gegen Bezugsscheine erhältlich sind. Nur so ist der maximale Ausstoß an Militärgütern möglich. Die müssen aber auch bedient werden und da taucht auch schon das
erste Problem im Buntschaftsland auf. Schon jetzt fehlt der Buntschaftswehr 80000 wackere Krieger. Nach alter Zählung wären das gute 4. Divisionen. Diese Lücke für den Schutz des Vaterlandes aufzufüllen gelingt nun nicht mehr, da alles Völkische ja radikal beseitigt wurde und sich für einen feuchten Regenbogen niemand mehr ins Granatfeuer wirft.Die Parlamentsschauspieler wissen natürlich ganz genau, dass die Einführung von Bezugsscheinen für Grillwürste einen nationalen Aufschrei auslösen würde und deshalb vermeiden sie auch die echte Kriegswirtschaft. Für das Wahlvolk genügt die einfache Sprache der Tagesschau, um mit dem Popanz Kriegswirtschaft, die mit dem Ende der Pandemie verloren gegangene Angst mal wieder richtig anzuheizen.

10:52 | Spartakuss zu 10:25 Uhr die Eule
Werte Eule, falls Sie die Regenbogenflaggengeneration meinen. 
Würde ich gerne Ihre Meinung dazu lesen, warum die in der Regenbogenflagge, die Chakren-Farben des Körpers verwenden. Einerseits wird versucht, sehr viele Menschen -gerade junge Menschen sind dafür empfänglich- zum liebevollen Multikulti-Programm zu erziehen. Andererseits, werden weltweit immer mehr Bürgerkriege absichtlich entfacht. Es sind meiner Meinung nach, immer Kriege zwischen Menschen und nicht zwischen Nationen/Ländern. Wir sind in erster Hinsicht Menschen und alles andere, sind nur aufgezwungene Etiketten.
Welche spirituelle Absicht, die wohl mit der Regenbogenflagge verfolgen?

12.06.2024

18:39 | Rüdiger Rauls: Geldmaschine Fußball

Fußball ist schon lange nicht mehr der Sport des kleinen Mannes. In den Hinterzimmern und VIP-Launches geht es um das große Geld. Zunehmend wird er auch interessant für Investment-Gesellschaften. Der Fußball wird zum Anlageobjekt.

Fußball im Wandel

Die Zeiten, wo die Spieler sonntags für eine Flasche Bier und Mettbrötchen auf den Platz liefen, sind lange vorbei. Selbst in unteren Klassen werden Ablösesummen gezahlt, die die Kassen vieler Vereine überlasten. Die Gehälter der Spieler übersteigen die Einkommen der meisten Zuschauer bei weitem, und allein für die Ehre läuft heute kein Nationalspieler mehr auf. Eintrittsgelder sind besonders für die großen Vereinen nur noch ein Zubrot, der Spielbetrieb selbst könnte davon nicht mehr gewährleistet werden. Fußball ist nicht mehr das bescheidene Sonntagsvergnügen des kleinen Mannes. Heute ist er Event und in jeder Hinsicht global.

Die Globalisierung hat nicht nur den Kapitalismus erfasst sondern auch den Sport. Wettbewerbe wie die Champions-League, Europa-League und andere internationale Veranstaltungen wären mit den einfachen Verkehrsverbindungen wie in den Nachkriegsjahren nicht möglich gewesen. Erst der Ausbau der Infrastruktur schuf in den 1960er Jahren die Voraussetzungen für das Zustandekommen eines nationalen Fußballbetriebs wie die Bundesliga. Verbesserte Eisenbahnverbindungen, die Verbreitung des Autos, der Ausbau des Autobahnnetzes sowie die Ausweitung des Flugverkehrs durch neue Flughäfen und Linien boten Vereinen und Fans die Möglichkeit, innerhalb eines Wochenendes die Republik von einem Ende zum anderen hin und zurück zu durchqueren.

Die Reisekosten jedoch machen heute den geringste Anteil an der Bilanz der großen Vereine aus. Den Löwenanteil fressen die laufenden Personalkosten für Spieler und Trainer auf. Zweistellige Millionenbeträge als Ablösesummen für Spieler sind im internationalen Spitzenfußball inzwischen die Regel, immer öfter sogar sind sie dreistellig. Das ist selbst mit den gestiegenen Eintrittsgeldern nicht mehr zu stemmen. Das große Geld kommt aus den Werbeeinnahmen, Übertragungsrechten und Merchandising, zunehmend aber auch von den Kapitalmärkten. Manche Vereine haben sich vom familiären Stadt-Klub zur Aktiengesellschaft entwickelt, um sich über die Börsen finanzieren zu können.

Fußball als Anlage

Dass der Kapitalismus global geworden ist, bezieht sich nicht nur auf seine geographische Ausdehnung. Er erfasst inzwischen auch weitgehend alle Bereiche der Gesellschaft, und das schließt den Sport mit ein. Neuerdings mischen auch die Private Equitiy Fonds im internationalen Fußball mit. Diese sind als Heuschrecken verschrien, weil sie bei hoch verschuldeten Unternehmen einsteigen, diese auf Rendite trimmen und mit hohem Gewinn wieder verkaufen. Deshalb investieren sie auch nur in solche Bereiche der Gesellschaft, in denen aus Geld mehr Geld, also Mehrwert, erwirtschaftet werden kann. Eine Investition in die Armenspeisung der Tafeln lohnt nicht, weshalb dort auch keine Private Equity Fonds anzutreffen sind trotz hohem Finanzbedarf.

Private oder auch institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Fonds entwickeln sich immer mehr zu Rettern von Staaten und Unternehmen. Ohne deren Geld wären die meisten Staaten längst pleite. Mit dem Fußball ist es nicht anders, und so erschien auch vielen internationalen Clubs der einzige Ausweg aus dem Mangel an Kapital in der Beteiligung von finanzstarken Geldgebern. Die Investitionen dieser Fonds stiegen "in den fünf größten europäischen Ligen von 2018 bis 2022 von knapp 68 Millionen Euro auf fast fünf Milliarden Euro. An mehr als einem Drittel der hundert besten Vereine sind sie beteiligt"(1).

In der deutschen Bundesliga waren sie bisher nicht vertreten, weil Vereine und Fans diesem Beteiligungsmodell skeptisch gegenüber standen. Aber der Abstand wächst zwischen den Bundesligavereinen und jenen, die von Investoren unterstützt werden wie die englischen Klubs oder aber vom Staat wie Real Madrid. Unter diesen Umständen sehen sich auch die Vorstände im deutschen Spitzenfußball immer mehr unter Druck, "dass die Spiele in der Bundesliga durch mehr Investitionen attraktiver … [und ] in den internationalen Wettbewerben … konkurrenzfähiger werden"(2) müssen.

Großes Geld

Im Mai 2023 gab es erste Interessenbekundungen von den "vier Private-Equity-Unternehmen Advent, Blackstone, CVC und EQT"(3) an einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga(DFL) als Dachverband der Bundesliga-Vereine. Die Investoren sollten eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Im Gegenzug wurde ihnen für zwanzig Jahre "rund acht Prozent der Einnahmen aus den Erlösen der Vermarktungsrechte"(4) zugesagt.
Das Geld soll zum größten Teil für DFL-Projekte verwendet werden. "Im Kern geht es um die 600 Millionen Euro für die Finanzierung der Video-Plattform und anderer Maßnahmen zur Digitalisierung und Internationalisierung"(5). Die DFL will sich weiterentwickeln und glaubt, sich digitaler, jugendlicher und internationaler aufstellen zu müssen. Dafür will man nicht nur das Geld der Investoren nutzen sondern auch deren Wissen und Kontakte in diesem Bereich.

Vor allem von den kleineren Vereinen kommt die Kritik, "dass von der erhofften Steigerung der Auslandsvermarktung vor allem die großen Klubs profitieren"(6) und dass es kein Geld für die Vereine geben soll. Aber gerade deren Förderung hätte man für wichtig gehalten. Denn hier wird der Fußball-Nachwuchs herangezogen und ausgebildet, der sich dann auf den Weg macht in den bezahlten Fußball bis hin zu den großen internationalen Klubs und in die National-Mannschaft.
Selbst auf der Ebene der Nationen geht es nicht mehr allein um Ansehen und die Ehre. Auch hier ist viel Geld im Spiel. Bei der diesjährigen Europameisterschaft schüttet die UEFA als Dachorganisation des europäischen Fußballs an die Verbände der angetretenen Mannschaften insgesamt 331 Millionen Euro aus. Die Preisgelder für die Mannschaften sind gestaffelt je nach dem, welche Runden erreicht und welche Ergebnisse erzielt wurden.

"Für einen Durchmarsch mit sieben Siegen flössen dem Gewinner-Verband insgesamt 28,25 Millionen Euro zu"(7), wohl gemerkt: dem Verband, nicht dem Team. Aber auch die Spieler der National-Mannschaften gehen nicht leer aus. 400.000 Euro erhält jedes Mitglied der Nationalmannschaft, wenn die Deutschen den Titel holen. Bei einem früheren Aus sind die Preisgelder des DFB niedriger.
Den größten Reibach bei dem Turnier macht der Veranstalter, der Europäische Fußballverband. "Für die EM 2024 kalkuliert die UEFA mit Einnahmen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro"(8). Bei der letzten EM, wegen Corona auf das Jahr 2021 verlegt, betrug das Nettoergebnis 645,8 Millionen Euro. Beim diesjährigen Turnier sind die Einnahmen aus Medienrechten und Sponsoring höher als beim letzten. Es dürfte also in diesem Jahr mehr übrig bleiben, weil auch die Stadien, anders als während der Coronazeit, nun wieder voll belegt werden dürfen.

Die UEFA ist in der Schweiz als gemeinnütziger Verein registriert, weshalb sie in Deutschland nicht steuerpflichtig ist. Indirekt zahlt sie Steuern über die Euro 24 GmbH, die sie mit dem DFB zusammen für die Organisation des Turniers gegründet hat. "Schätzungsweise 65 Millionen Euro an Steuern dürften über diese zusammen kommen"(9). Das wirft natürlich die Frage auf, was die Gesellschaft, nicht nur die Fußballfreunde von solchen sportlichen Großveranstaltungen hat.

Gesellschaftlicher Nutzen

Angesichts der gewaltigen Summen versuchen die Initiatoren und Nutznießer solcher Veranstaltungen, Rechtfertigungen zu finden und das eigene Gewinninteresse zu verschleiern. Denn neben der Begeisterung für solche sportlichen Ereignisse gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Kosten, der Verteilung der Einnahmen und der Zuwendungen durch die Staaten.
Im Rückblick auf die Fußball-WM 2010 in Südafrika stellte die Neue Züricher Zeitung fest: "vier Jahre nach dem riesigen Anlass steht das Land ökonomisch schlecht da. Der Unterhalt der Bauten ist eine schwere Bürde"(10). Aber nicht nur die Folgekosten für die Instandhaltung der Bauten lasten auf der finanziellen Bewegungsfreiheit des Landes, vielmehr "sind Südafrika von der WM nicht viel mehr als Schulden geblieben, rund 500 Millionen Euro. Kein Wunder, hat die WM doch statt der prognostizierten 1,75 Milliarden der Nation 4,2 Milliarden gekostet"(11).

Auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 waren die Zweifel am gesellschaftlichen Nutzen groß. Angesichts des Elends und der mangelhaften oder überhaupt nicht vorhandenen Infrastruktur in den Armenvierteln kam es zu heftigen Protesten vonseiten großer Teile der Bevölkerung. Diese war der Ansicht, dass der gesellschaftliche Nutzen solch hoher Ausgaben eher in der Hebung des Lebensstandards der breiten Bevölkerung statt in der Ausrichtung einer Weltmeisterschaft zu sehen sei.
Für die diesjährige Euro in Deutschland erhoffen sich die Host-Cities, neudeutsch für Austragungsorte, höhere Umsätze im Gaststättengewerbe und Einzelhandel. Dessen Verband HDE rechnet mit 3,8 Milliarden zusätzlichem Umsatz. Dementsprechend erhoffen sich auch Staat, Länder und Gemeinden höheren Steuereinnahmen aus gestiegenen Umsätzen. Das Mantra und Dogma der höheren Steuereinnahmen durch höhere Umsätze waren auch immer die Argumente der Befürworter solcher Veranstaltungen.

Sie sind die Totschlagargumente, die vorgeben, im Interesse der gesamten Gesellschaft zu handeln, was in der Regel nur behauptet wird, nicht belegt. Jedenfalls bringen diese Veranstaltungen keinen nachhaltigen Aufschwung, wie das Institut der Deutschen Wirtschaft feststellte. Anhand des deutschen Sommermärchens von 2006 kommt dessen Untersuchung zu dem Ergebnis, "sportliche Großereignisse seien ... kein Konjunkturfeuerwerk"(12). Aber für die Fifa lohnt es sich auf jeden Fall. Die Weltmeisterschaft in Südafrika hat nach Schätzungen von Experten der "Fifa rund 2,5 Milliarden Euro in die Kassen gespielt. Diese Zahl … wurde bis heute von der Fifa nicht dementiert"(13).

Für den einzelnen Fußball-Begeisterten ist angesichts der hohen Eintrittspreise der gesellschaftliche Nutzen immer schwerer zu erkennen. Fußball, der Armer-Leute-Sport von früher, ist heute nichts mehr für arme Leute. Auf dem niedrigsten Niveau, den Gruppenspielen der Euro 24, werden je nach Platz Preise von dreißig bis vierhundert Euro verlangt. Im Endspiel geht es erst bei 95 Euro los, die teuersten Plätze kosten 2000 Euro. Das hat so mancher Fußballfan am Ende des Monat nicht einmal in der Lohntüte.
Aber: Bei aller Kritik an der Geldmacherei durch den Sport darf nicht übersehen werden, dass die Menschen Freude an der EM, WM oder Olympiade haben. Das miesepetrige Herumnörgeln vieler Kritiker und Moralisten führt nur selten zu dem veränderten politischen Bewusstsein, das sie schaffen wollen. Niemand ist in der Bevölkerung unbeliebter als der Griesgram, der Essig in den Wein schüttet. Die Menschen wollen sich vergnügen und das Leben genießen. Das ist ihr gutes Recht. Der Fußball gehört dazu, ob es den Kritikern passt oder nicht. Und es gibt keinen Grund, sich darüber zu erheben.

(1) Frankfurter Allgemeine Zeitung(FAZ) vom 23.5.2024: Kapital und Fußball
(2) FAZ vom 18.5.20: Xabi Alonsos Lektion
(3) https://www.kicker.de/weg-fuer-dfl-investor-frei-klubs-votieren-knapp-fuer-einstieg-983917/artikel
(4) 12.12.23 sportschau.de: dfl-investor-bundesliga-entscheidung-abstimmung
(5) 10.12.23 Sportschau: Fans protestieren gegen DFL-Investor
(6) ebenda
(7) FAZ vom 3.6.24: Das Milliardengeschäft Fußball-Europameisterschaft
(8) ebenda
(9) ebenda
(10) Neue Züricher Zeitung vom 24.6.2014: Teures Erbe der Fussball-WM 2010
(11) Tageszeitung(taz) vom 18.10.2010:"Ein nachhaltiger Fehlschlag"
(12) FAZ vom 3.6.24: Das Milliardengeschäft Fußball-Europameisterschaft
(13) Tageszeitung(taz) vom 18.10.2010:"Ein nachhaltiger Fehlschlag"

Rüdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse

08:35 | bild: Habeck will Ludwig Erhard ausmustern

Wirtschaftsminister Robert Habeck (54, Grüne) sucht mitten in der Wirtschaftskrise das Heil in der Wissenschaft. Forscher sollen ihm bis Ende 2024 ein strategisches Konzeptpapier aufschreiben, mit dem er ein Stück wegwill von Ludwig Erhards altem Klassiker „Wohlstand für alle“ (erschien 1957, Neuauflage nach dem Mauerfall).

Raum-Zeit-Kontinuum des deutschen Kommunismus: während die DDR-Kommunisten ihre Feinde im wirtschaftlich erfolgreichen Westen fanden, verorten die Grünkommunisten ihre wirtschaftlich erfolgreichen Feindbilder auf der Zeitachse. TB

09:10 | Die Eule
Die Grünbraunen Salonkommunisten wissen natürlich ganz was kommt und deshalb suchen sie rechtzeitig nach einer Legende für ihr Wahlvolk. Das ist der Kinderbuchautor genau der richtige. Schon jetzt nähert sich die Ungleichheit in der Vermögensverteilung wieder dem Zustand vor dem letzten Krieg. Doch hier geht immer noch etwas, würde der Münchner sagen So wird auch der Green Deal mit seinem Heizhammer den letzten Cent aus den Taschen der Gutgläubigen herausklopfen und in die befördern, deren Taschen breoits prall gefüllt sind. Um all dies zu verschleiern,
wird der Kinderbuchautor dann eine weitere, rührende Geschichte verkünden müssen. Sonst könnten die Wahlschafe ja doch eines Tages den eigentlichen Sinn seiner Politik erkennen und auf ganz, ganz böse Gedanken kommen.

12:26 | Leser Kommentar  
Wenn der Zeiger einer Uhr ganz oben links ist, geht er ganz oben rechts wieder weiter. Das war immer schon so! Darum macht man Pause, wenn der Zeiger unten ist.....

 

11.06.2024

14:29 | jonathanturley: Kann die Demokratie die „Verteidiger der Demokratie“ überleben?

Im Jahr 2024 könnte der größte Test für unsere Verfassung darin bestehen, ob sie den „Verteidigern der Demokratie“ standhalten kann. Ronald Reagan sagte oft : „Die neun schrecklichsten Wörter in der englischen Sprache sind: Ich bin von der Regierung und ich bin hier, um zu helfen.“ Heutzutage kann Reagans Linie nicht mit der Linie verglichen werden, die viele von uns in eine fötale Position versetzt: „Ich bin ein Demokrat und ich bin hier, um die Demokratie zu retten.“

Die Jump-Scare-Behauptung lautet, dass das Ende der Demokratie bald beginnen wird, wenn die Bürger nicht für Demokraten stimmen. , Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, James Clyburn (DS.C.) Im Jahr 2022 sagte gegenüber „Fox News Sunday“, dass „die Demokratie enden wird“, wenn die Demokraten die Zwischenwahlen verlieren. Die Rhetorik hat angesichts der bevorstehenden Wahlen weiter zugenommen.

Von Präsident Joe Biden bis hin zu einer Vielzahl fortschrittlicher Politiker und Experten: Bei der Wahl 2024 geht es vor allem um die Rettung der Demokratie. Der Öffentlichkeit wurde gesagt, dass die Bürger in einer tyrannischen Hölle leben würden, wenn die Demokraten die Macht verlieren. Vizepräsidentin Kamala Harris erklärte in einem Interview, dass 2024 sein könnte „wirklich“ die letzte demokratische Wahl in der Geschichte Amerikas . Dutzende Demokraten haben gesagt, dass die Demokratie enden wird, wenn Biden nicht wiedergewählt wird.

Kommentar des Einsenders
Die Überschrift klingt im ersten Augenblick absurd … trifft aber den Kern dessen, was wir alle gerade erleben dürfen. Der Kampf der Linken um die politische Deutungshoheit und den Machterhalt – hier am Bsp. der USA – wird von denen (fast) schon anti-demokratisch geführt … und viele Menschen merken das schon länger.

Die Qualität einer funktionierenden Demokratie kann man fast schon alleine daran messen, wie die Regierung mit der Opposition umgeht Eine Demokratie muß selbst solche Meinungen ertragen, die einem persönlich unerträglich erscheinen. JE

08.06.2024

19:23 | MD:  Amerikanische und russische „Brandschneisen“: Überlebensrisiken einer asymmetrischen Nukleardoktrin

„Abschreckung ist nicht nur eine Frage militärischer Fähigkeiten. Sie hat sehr viel mit der Wahrnehmung von Glaubwürdigkeit zu tun.“ – Herman Kahn, Nachdenken über das Undenkbare in den 1980er Jahren (1984)

Hintergrund des Problems
Es gibt viele Gründe, sich Sorgen über einen Atomkrieg aufgrund der russischen Aggression gegen die Ukraine zu machen. [1] Am beunruhigendsten ist, dass eine beschleunigte Verstärkung von Wladimir Putins nuklearen Streitkräften die russische Schwelle zum Einsatz von Atomwaffen senken würde. [2] Eine solche Senkung würde sowohl auf doktrinärer als auch auf operativer Ebene gelten. Obwohl sich solche Dinge (d. h. beispiellose Dinge, die in der Wissenschaft als sui generis bekannt sind ) wissenschaftlich nicht [3] bestimmen ließen , [4] wären die geschätzten Wahrscheinlichkeiten dennoch berechenbar.

Die Lebenden werden die Toten beneiden ..... TS 

07.06.2024

14:44 | korybko.substack: Der estnische Premierminister hat die Bedingungen des Westens für den Sieg in der Ukraine neu definiert

Die Bedeutung der Aussage von Kaja Kallas besteht darin, dass sie das erste Signal der härtesten antirussischen Fraktion des Westens darstellt, dass sie möglicherweise bereit sein könnte, den Konflikt einzufrieren, anstatt bis zum letzten Ukrainer weiterzukämpfen und dabei das Risiko einzugehen, den Dritten Weltkrieg auszulösen Fehlkalkulation. Die estnische Premierministerin Kaja Kallas gilt als eine der kämpferischsten antirussischen Persönlichkeiten im Westen, doch es war niemand anderes als sie, die gerade die Bedingungen dieses Blocks für den Sieg in der Ukraine neu definiert hat. Sie sagte kürzlich gegenüber der BBC : „Beim Sieg in der Ukraine geht es nicht nur um Territorium. Wenn die Ukraine der Nato beitritt, auch ohne Territorium, dann ist das ein Sieg, weil sie unter das Dach der Nato gestellt wird.

Kommentar des Einsenders
Das nennt man dann wohl ´testing the water´, wenn ein unbedeutender Politiker Vorschläge macht, die medial um die Welt gehen. Je nach Reaktion der Welt darauf, dass man die Definition für den Erfolg der Ukraine ja auch ändern könnte, wird dieser Politiker entweder zurück gepfiffen oder diese Idee wird noch untermauert. Mal abwarten …

18:54 | Die  Leseratte
Der ganze Artikel beruht auf Spekulationen! Die "koreanische Lösung" wird es nicht geben, Russland will eine endgültig Lösung. Nur "ein bisschen Nato-Mitglied" ist lächerlich und wenn es irgendwann zu einer Friedenslösung kommt, werden die Papiere wieder auf den Tisch kommen, die die Russen vor dem Einmarsch bereits den USA und der Nato zur Diskussion gestellt haben. "Unteilbare Sicherheit", Rückzug der Nato aus den Ostgebieten - wie damals versprochen. Auch für diese Länder keine Mitgliedschaft "light", sondern Neutralität.

Bei diesem Krieg geht es nicht mehr nur um die Menschen im Donbass bzw. Novorossija. Es geht um das Existenzrecht Russlands! Das Ende dieses Krieges muss zu einer Sicherheitslösung in Europa führen, die für die nächsten Jahrzehnte gilt. Denn natürlich ist dies ein Krieg des gesamten Westens gegen Russland! Lange Jahre geplant, organisiert, finanziert, provoziert. Wobei - ich habs schon mal geschrieben - der heiße Krieg nur als Nebenkriegsschauplatz geplant war, die eigentliche "Vernichtung" Russlands sollte per Wirtschafts- und Finanzkrieg erfolgen. Die Nato ist einfach davon ausgegangen, dass nach dem Zusammenbruch der RF der Krieg in der Ukraine für Russland auch verloren ginge.

Allerdings hat der Plan nicht funktioniert, weder die russische Wirtschaft noch der Finanzmarkt sind zusammengebrochen, dafür leidet der Westen unter seinen eigenen Sanktionen, während Russlands Wirtschaft boomt. Russland ist autarker geworden, konnte den Rohstoffexport umleiten in andere Länder und verdient weiter daran, konnte viele Sanktionen umgehen oder substituieren, hat vor allem auf Kriegswirtschaft umgestellt für den heißen Krieg in der Ukraine, den es offensichtlich auch nicht verliert. Dumm gelaufen.

Da fehlte eine sorgfältige Due-Diligence! Der Westen war so überheblich, dass er seine eigenen Vorurteile über Russland für wahr gehalten hat! Die sprichwörtliche "Tankstelle mit Atomraketen". Dass Russland sich seit dem Zusammenbruch vor 30 Jahren weiterentwickelt hat, wurde von der Politik - vor allem von den Amerikanern - nicht zur Kenntnis genommen. Vielleicht hätten sie dafür doch mal ihre Konzerne fragen sollen. Diejenigen, die in Russland engagiert waren (und teils noch sind).

Warum jetzt das Kriegsgetrommel im Westen? Frage: Warum findet dieser Krieg überhaupt statt? Die USA wollten Russland wegen seiner riesigen Ressourcen und die Ukraine war eine Draufgabe - mit ihren Schwarzerdeböden, mit ihren eigenen Bodenschätzen und der dazugehörigen Industrie im Osten des Landes. Zweitens wollen sie Russland auch stark geschwächt haben, wegen dessen Rolle bei den BRICS+, sprich dem Vorantreiben von Multipolarität und De-Dollarisierung, was die USA um fast jeden Preis verhindern wollen! DAFÜR wurde dieser Krieg angezettelt!

Sie haben mittlerweile sooo viel Geld investiert, dass sie ihren Return of Invest haben wollen! Das wäre ja sonst alles verloren! Daher die Parole: Die Ukraine darf nicht verlieren! Weil "wir" sonst unseren Einsatz verlieren! Und anschließend auch noch die Ukraine wieder aufbauen müssen, was weiteres Geld kostet, ohne dass wir was davon haben. Denn Russland kann man nur zu Reparationen bewegen, wenn es verliert. Daher jetzt die Panik und das Kriegsgeschrei!

Der Proxy Ukraine hat versagt, Plan B scheint jetzt zu sein, dass demnächst die Europäer für die USA in der Ukraine kämpfen, um den Krieg weiter in die Länge zu ziehen, bis Russland irgendwann nach dem 20. Sanktionspaket doch die Luft ausgeht. Leider haben sich bisher nur Kleinstaaten dazu bereit erklärt. Deshalb hat Macron jetzt die Aufgabe, Deutschland weichzukochen. Die Vorstellung, dass keine 80 Jahre nach dem letzten Krieg wieder Deutsche in der Ukraine gegen Russland kämpfen ist ein déja-vu und einfach unvorstellbar!

Eines ist klar, die Amerikaner selbst gehen nicht rein, die wissen, dass sie einen Landkrieg nicht gewinnen können. Wenn die Europäer nicht bereit sind, werden die Amerikaner als letzte Option die Atombombe wählen! Die Aufgabe der Russen ist es jetzt, sie davon zu überzeugen, dass die dann aber nicht nur in Russland und Europa explodieren, sondern auch in den USA! Dafür reisen sie zu Manövern in die Karibik oder drohen mit Hyperschallraketen. Wie desperat sind gewisse Kreise in den USA?

06.06.2024

15:06 | Leserzuschrift:  Wenn Polizeibeamte gesucht werden - Der revolutionäre Zyklus nimmt Fahrt auf

Wenn Polizeibeamte gesucht werden - Der revolutionäre Zyklus nimmt Fahrt auf (In Deutschland werden aktuell Soldaten, sprich Kanonenfutter gesucht)
aus: www.armstrongeconomics.com/international-news/politics/police-officers-wanted-the-revolutionary-cycle-in-swing/

USA: Die „Schafft die Polizei ab-Bewegung" war so erfolgreich, dass zahlreiche Behörden Schwierigkeiten haben, freie Stellen zu besetzen. So haben wir Politiker, die die Polizei verteufeln, Philanthropen, die einen Mob finanzieren, der ihren Untergang fordert, und Nicht-Bürger, die ohne Konsequenzen Angriffe auf Polizisten verüben, die überhand nehmen. Die Polizei ist nicht in der Lage, für Recht und Ordnung zu sorgen, weil Spaltungspraktiken und ein Anstieg der Kriminalität zu politischen Instrumenten geworden sind.

Doch Regierungen stürzen, wenn die Polizei ihnen keinen Schutz mehr bietet. Dies ist einer der Gründe, warum einige Städte darauf drängen, freie Stellen bei der Polizei mit Migranten zu besetzen. Es genügt, dass sich die Polizei auf die Seite des Volkes stellt und nicht auf die der Regierung, und alles bricht zusammen.

Die ERSTE STUFE einer Revolution ist immer das Aufkommen intellektueller Meinungsverschiedenheiten, die von der Regierung einfach als vorübergehende Phase ignoriert werden. Diese Phase ist die Erkenntnis der Korruption und Ungerechtigkeit der Regierungsherrschaft. Das Symbol dafür war vielleicht die Enthüllung von Edward Snowden, dass die Regierung die Verfassung verletzt und ihre Macht gegen das Volk missbraucht, indem sie einen 100-prozentigen Überwachungsstaat aufbaut, der jeden Telefonanruf und jedes E-Mail-Konto eines jeden Bürgers abhört. Und dann war da noch die britische Whistleblowerin Katharine Gun, die sie zwar anklagten, aber nicht vor Gericht stellen konnten, ohne sich selbst zu entlarven. Sie bezeichneten beide als Verräter, als ob die Regierung die inhärente Macht der Souveränität besäße und die Menschen die großen ungewaschenen Wirtschaftssklaven wären.

In der ZWEITEN STUFE erweisen sich die intellektuellen Debatten als sinnlos, und der erste Konflikt beginnt. Die Korruption hat ihren Lauf genommen, und die Regierungen haben das Recht in ihr eigenes Interesse verwandelt. Dieses Stadium wird in der Regel dadurch beschleunigt, dass die Regierungen inmitten eines wirtschaftlichen Niedergangs die Steuern erhöhen. Die wirtschaftlichen Härten können von Person zu Person variieren, aber insgesamt konzentrieren sie sich auf die Strafverfolgungsbehörden, zu denen auch die Polizei gehört, die viel zu oft behauptet, moralisch zu sein, und dabei vorgibt, nur Befehle zu befolgen.

In diesem Fall bringt die Geschichte in der Regel einen gemäßigten Führer hervor, der das Problem erkennt und oft versucht, eine Lösung zu finden, die von der Regierung ignoriert wird. Dadurch wird das Gefühl der Ungerechtigkeit noch verstärkt, vor allem in Anbetracht des wirtschaftlichen Niedergangs. Die Führung kann auch von Extremisten übernommen werden, die eine völlige Veränderung fordern (die Grünen!). Diese Anfangsphase führt dazu, dass sich die ersten Forderungen ändern und die Proteste zunehmen. Der Mob ist selten in der Lage, die Reform auch nur zu artikulieren, weil er dann Forderungen stellt, die weit über das hinausgehen, was er tatsächlich braucht. An diesem Punkt wendet sich der Mob oft eher der Rache als der Gerechtigkeit zu. Die Regierungen weigern sich in der Regel, Reformen durchzuführen, und werden oft sehr defensiv.
Daher kommt es in der zweiten Phase zu zunehmenden Protesten und Unzufriedenheit mit ersten Konfrontationen gegen die Regierung, die sich auf den von ihr geschaffenen Polizeistaat stützt. Solange die Polizei die Regierung weiterhin gegen das Volk unterstützt, wird dies unweigerlich zur nächsten revolutionären Phase führen.

In der DRITTEN STUFE kommt es oft zu einem regelrechten Krieg auf der Straße, da die Regierungen versuchen, ihre Macht zu behalten und sich weigern, die Fehler ihres Handelns einzusehen. Bei Revolutionen wie dem Nika-Aufstand von 532 n. Chr. stellt sich die Polizei auf die Seite des Volkes oder hält sich zurück. Im Fall der ukrainischen Revolution gegen Janukowitsch wechselte die Polizei die Seite und unterstützte das Volk, als sie sah, dass die Menschen, die dem Präsidenten zu Hilfe kamen, Russen waren. Im Fall des Nika-Aufstands rief die Regierung die Armee herbei, die dann das Volk und die Polizei massakrierte. Im Falle der amerikanischen Revolution lag die Zentralgewalt in England und nicht auf lokaler Ebene. Dies ermöglichte es den lokalen US-Behörden, sich von den Briten abzugrenzen.

Die VIERTE STUFE ist die Vergeltung in einer inneren Revolution in direkter Konfrontation mit der Regierung und dem Staatsoberhaupt. Im Falle der amerikanischen Revolution war das Staatsoberhaupt nicht erreichbar. Dennoch beschlagnahmten sie Eigentum und hängten diejenigen auf, die den König unterstützten. Im Falle der russischen Revolution wurde natürlich die gesamte Familie Romanow hingerichtet. Dies ist die Phase der Wiedergutmachung für jahrelange Unterdrückung und Ungerechtigkeit.

Das ehemalige Staatsoberhaupt wird oft öffentlich umgebracht, und in der Regel auch alle seine Minister. Dies war nicht nur während der Russischen Revolution der Fall, sondern auch während der Französischen Revolution mit Ludwig XVI. und seiner Frau sowie während der Englischen Revolution, als König Karl I. entführt und öffentlich enthauptet wurde. Es gab auch schon Attentate nach einer Niederlage, wie das auf Abraham Lincoln im Jahr 1865.

Das FÜNFTE STUDIUM ist in der Regel die Phase der Erholung, in der eine neue Regierungsform aus der Asche aufsteigt. Die intelligenten politischen Moderaten übernehmen die Macht, wie es in den Vereinigten Staaten der Fall war, in der Regel auf der Grundlage der Ideen eines utopischen Systems. Auch hier besteht der Unterschied darin, dass die politische Macht in England und nicht in Amerika lag, so dass es nicht zu einer groß angelegten Mordkampagne an allen ehemaligen Ministern kam. Im Fall der Französischen Revolution wurden nach der Vergeltungsphase sogar die Gemäßigten von den Radikalen unter der Führung von Robespierre, der die Macht an sich riss, getötet. Als die Französische Revolution in die Hände von Robespierre (1758-1794) fiel, begann er eine Schreckensherrschaft (5. September 1793 bis 27. Juli 1794), die mit seinem eigenen Tod endete. Es folgten weitere Aufstände, und schließlich wurde die französische Verfassung ausgearbeitet (22. August bis 23. September 1795), die mit der Machtübernahme durch das Direktorium verabschiedet wurde.
In dieser Erholungsphase werden in der Regel die Radikalen gestürzt, und manchmal wird ein neues Staatsoberhaupt eingesetzt, wie z. B. Napoleon oder Oliver Cromwell. Im Falle der Vereinigten Staaten, wo das frühere Staatsoberhaupt nicht vor Ort war, begann die Bürokratie, und es kam zum Aufkommen von politischen Parteien. Erneut kommt es zu Spaltungen zwischen gegensätzlichen politischen Ansichten. An diesem Punkt wird der Nationalismus wiederhergestellt und der Kreislauf der Korruption schlägt Wurzeln.

Wir befinden uns derzeit in der zweiten Phase des revolutionären Zyklus und steuern mit wachsender Unzufriedenheit rasch auf die dritte Phase zu.

12:30 | Rüdiger Rauls: Fußball nach Stimmungslage

Am 14. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Die Turniere der vergangenen Jahre zeigen, dass Fußball inzwischen nicht mehr nur Spiel ist sondern mehr denn je Politik. Über die Jahrzehnte betrachtet ist er auch Ausdruck nationaler Befindlichkeit.

Auferstehung

Im Verlauf eines Turniers oder bei Sieg und Niederlage werden mitunter unbewusste Wünsche oder Hoffnungen deutlich, die Fußball offenlegt oder erfüllt. Diese sind dem einzelnen nicht immer so klar und werden oftmals erst im Rückblick erkannt. Ein solches Ereignis war der Sieg der deutschen Nationalelf von 1954, der erste Weltmeistertitel, der bis heute immer noch sehr verklärt wird.

Der Sieg beim WM-Turnier in der Schweiz war der Aufstieg des Phönix aus der Asche. „Wir sind wieder wer!“ Das war nun die vorherrschende Stimmung, nachdem die Niederlage im Krieg bis dahin sehr viele nicht hatten verwinden können. Dabei ging es wirtschaftlich wieder bergauf. Das Wirtschaftswunder war in großen Teilen der Bevölkerung bereits zu spüren, und doch hatte der deutschen Volksseele bis zum "Wunder von Bern" etwas gefehlt.

Der Sieg in einer Fußball-Weltmeisterschaft war für viele die Wiedergutmachung für die Schmach der Kriegsniederlage. Diese war so unverständlich und unglaublich gewesen nach all den Prophezeiungen und Versicherungen der Vorsehung, dass der Traum vom Endsieg noch Jahre nach dem Krieg in vielen Köpfen weiter spukte. Dabei war eines für die meisten Kriegsteilnehmer vollkommen klar: Es hatte nicht am deutschen Landser gelegen. Der war sauber und ehrlich gewesen, hatte heldenhaft gekämpft und hatte sich keine Vorwürfe zu machen weder für die Niederlage noch für alles, was im Krieg geschehen war.

Aber alle Zweifel, Demütigungen und Schuldzuweisungen waren vergessen nach dem Sieg in Bern. Er war der Wundverband für die geschundene deutsche Seele. „Wir sind wieder wer! Wir lassen nicht länger auf uns herumtrampeln“ In dieser erlösten Stimmung standen Hunderttausende an der Bahnstrecke, bei Durchfahrt und Ankunft in den Bahnhöfen und jubelten dem „roten Blitz“ zu, jenem Zug mit den Siegern und Helden von Bern. Im Überschwang des Siegesgefühls erscholl aus Hunderttausenden Kehlen das Deutschlandlied, die erste Strophe, die Deutschlands Größe besang, hier als Auferstehung.
Dabei ging es nicht um die geographische, es ging um die wieder errungene nationale Größe. Es war der verspätete Triumphzug heimkehrender Helden. Wenn sie auch nicht als Sieger aus der Sowjetunion heimkehrten, so doch nach einer vergleichbaren Schlacht, in der niemand mit dem Sieg der Kriegsverlierer gerechnet hatte. Es war ein zweites „Deutschland erwache!“ Man hatte der Welt gezeigt, dass man siegen konnte. Deutschland-West schwamm auf einer Welle des Nationalstolzes und der Genugtuung. Der Sieg in Bern war für viele die Wiedergutmachung für die Niederlage im Krieg.

Gute Nachbarn

Unter einem ganz anderen Stern und einer davon vollkommen verschiedenen Stimmung fand die Fußhall-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland statt. Der Krieg war für die meisten lange vorbei. Eine junge Generation war heran gewachsen, eine moderne, aufmüpfige. Die Studentenbewegung hatte das Land durchgeschüttelt. Alte Zöpfe waren ab, man trug das Haar offen, auch die Männer. Sexualität und Lust, Lebensfreude und Wohlstand waren die Themen der Zeit. Deutschland zelebrierte Weltoffenheit.

Die Deutschen waren sympathisch geworden. Willy Brandt suchte die Aussöhnung mit den Nachbarn im Osten. In Warschau hatte er vor den Opfern von Krieg und Faschismus niedergekniet und um Vergebung gebeten. Die Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion sollte die Gefahr eines Atomkriegs mindern. „Wir wollen ein Volk von guten Nachbarn sein“, hatte Brandt das Ziel seiner Politik beschrieben, und so war auch die Fußball-WM 1974 in Deutschland. Sie passte zur Stimmung im Land, in Europa und in der Welt. Die Kriegsgegner von einst waren Freunde geworden, zumindest im Westen. Seit dreißig Jahren herrschte nun Frieden in Europa.

Wenn auch in anderen Teilen der Welt, besonders in Vietnam noch immer erbittert gekämpft wurde, so war doch 1974 schon zu erkennen: Vietnam und damit ganz Südostasien würden den Sieg davon tragen über den amerikanischen Imperialismus. Aber Vietnam war trotz seiner weltpolitischen Bedeutung für die meisten weit weg. In Europa herrschte Frieden und die Weltmeisterschaft in Deutschland war verbunden mit der Hoffnung auf Frieden in der Welt. In guter Nachbarschaft lebten die Völker ohne größere nationalen Spannungen zusammen und feierten die Spiele, den Sport, den Wettkampf und die Freude am Spiel.

Satte Nachbarn

Der Weltmeisterschaft 1990 in Italien brachte Deutschland den dritten Titel. Die gesellschaftliche Stimmung stand unter dem Eindruck der deutschen Wiedervereinigung. Die Mauer war gefallen, der kalte Krieg war übergegangen in einen lauwarmen Frieden. Deutschland war in Hochstimmung, weil endlich zusammenwachsen konnte, von dem man glaubte, dass es zusammen gehörte. Der Jubel der Wiedervereinigung schwang noch in der deutschen Volksseele.

Sie war ein unerwartetes und auch unverdientes Geschenk für die damals regierende CDU. Denn bis zum Zeitpunkt des Mauerfalls war die Stimmung eigentlich nicht mehr so rosig. Das Wirtschaftswunder hatte Glanz und Zauber verloren. Es ging zwar immer noch bergauf, aber mühsamer. Wirtschaftskrisen und Börsenkräche hatten Spuren im Gemüt hinterlassen. Es lief nicht schlecht in Deutschland, aber das Land dümpelte dahin wie das Spiel der deutschen Mannschaft in der Zeit davor.
Die Wiedervereinigung brachte neuen Schwung. Zudem hatte der deutsche Fußball durch die "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer einen neuen Hoffnungsträger gefunden nach den durchwachsenen Leistungen unter seinen Vorgängern. Der Weltmeister-Titel kam eher unerwartet. Die Aufbruchstimmung in der Gesellschaft und ein Wunsch nach Neuanfang hatten Rückenwind gegeben. Anders zwar als 1954 nach dem verlorenen Krieg war man wieder wer, aber nur weil Deutschland größer geworden war. Der WM-Titel und die DDR waren das Zuckerl obendrauf für eine Gesellschaft, die schon ziemlich satt war.

Spielball der Werte

Mit welcher gesellschaftlichen Stimmung der WM-Titel von 2014 einher ging, ist schwer zu sagen. Vielleicht war es eine relative Sorglosigkeit, die sich noch einmal wohlig über das Land breitete. Die große Finanzkrise von 2008 war vorüber und glimpflicher verlaufen, als anfangs zu befürchten gewesen war. Unbekümmerte Unbeschwertheit war ihr nach den ersten Jahren vorsichtiger Erholung gefolgt. Es war doch alles nicht so schlimm gewesen, und es war noch einmal gutgegangen.
Mit der der Weltmeisterschaft in Russland 2018 hatte sich ein Stimmungswandel angedeutet, der sich ganz deutlich bei der WM in Qatar 2022 offenbarte. Die deutsche Gesellschaft begann, unter dem wachsenden Einfluss der Missionare des Wertedenkens missmutig zu werden. Der innere Frieden und die Freude am Spiel hatten bereits 2018 unter dem Gemäkel und der Propaganda gegenüber dem Gastgeber Russland gelitten. Mehr oder weniger versteckte Vorwürfe gegenüber der Mannschaft wurden laut vonseiten der Hohepriester der Doppelmoral für deren Teilnahme an dem Turnier in Putins Autokratie.
In Katar wollte man es dann besser machen. Die Mannschaft trat auf als Botschafter einer Gesellschaft, in der Werte und Moral über allem standen, auch über dem Sport. Was schon zu Hause nicht gut ankam, wurde draußen in der Welt noch weniger geschätzt. Die deutsche Mannschaft trat unter dem Gespött derjenigen die Heimkehr an, die man in Sachen Diskriminierung hatte belehren und bekehren wollen. Der deutsche Fußball jedenfalls bot keine Lehrstunde wie noch 2014 in Brasilien und noch weniger hatte er die Welt zu einem besseren Ort machen können.

Neuer Geist?

Das kommende Turnier ist keine Weltmeisterschaft. Die deutsche Mannschaft muss sich nur mit europäischen Nachbarn vergleichen. Sie muss keine Mission erfüllten wie noch in Katar. In Europa sind die „Guten“ unter sich. Die Russen wurden ausgeladen. Im Moment kann noch nicht gesagt werden, ob und wie sich die miserable gesellschaftliche Stimmung in Deutschland auf Spiel und Geist der Mannschaft auswirkt.

Unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann scheint ein Neuanfang gelungen, der bisher schon länger hält als die gewöhnlichen Anfangserfolge der neuen Besen. Das zeigen die Siege gegen zumindest gleich starke Gegner wie Frankreich und die Niederlande. Vor allem aber beeindruckte, wie gewonnen wurde. Nagelsmann ist der jüngste Trainer in der Geschichte des Deutschen Fußball Bundes. Vielleicht wirkt er deshalb unverkrampft gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Vorgängen und Stimmungen. Wie so viele seiner Altersgenossen scheinen ihn solche Themen wenig zu berühren.
Sein jugendliches Alter und das seines Co-Trainer Sandro Wagner ließen zuerst Zweifel aufkommen an ihrer Eignung. Aber Nagelsmann war schon in Hoffenheim, Leipzig und zuletzt beim FC Bayern München sehr erfolgreich gewesen. Als jedoch der prominentere Thomas Tuchel als Trainer frei wurde, musste Nagelsmann diesem Platz machen. Er nahm es gelassen und unaufgeregt. Tuchel war zwar nicht so erfolgreich wie Nagelsmann, aber bei den Bayern zählt nicht nur der Erfolg sondern auch das „Mia san Mia“, das öffentliche Ansehen.

Nagelsmanns Vorgänger Hansi Flick und Joachim Löw waren andere Trainertypen. Aufgrund des Altersunterschieds waren sie eher Vaterfiguren. Dagegen sind Nagelsmann und Wagner eher der Typ des gleichaltrigen Mitspielers, haben sogar mit manchem der Spieler zusammen auf dem Platz gestanden. Eine ähnliche Situation liegt auch bei Xabi Alonso und Bayer Leverkusen vor. Vielleicht macht das ihren Erfolg aus und dass bei ihnen anscheinend andere Überlegungen als die rein sportlichen keine Rolle spielen. Wer gut spielt, steht auf dem Platz.

Findet unter ihnen ein Wandel im Verständnis von Spiel und Zusammenspiel statt? Sie treten auf wie eine boy-group ohne erkennbaren Chef und Leiter, mit flacher Hierarchie. Das ist vielleicht das Wesentliche ihrer Generation. Sie scheinen sich wenig zu scheren um das Urteil von anderen und deren Erwartungen. So etwas wie "work-live-balance" liegt da in der Luft, Freude am Spiel scheint bedeutender zu sein als Image, große Namen, großes Geld oder sonstige Überlegungen.
Findet im Fußball eine Rückbesinnung auf das Wesentliche statt: Die Freude am Spiel statt der Missionierung durch Sport, auch wenn sich gerade im Verhältnis zu Russland und Weißrussland etwas anderes offenbart. Aber erst im Rückblick der Jahre wird sich zeigen, ob diese Annahmen sich als wahr herausstellen und ob sie die Stimmung in der Gesellschaft widerspiegelten. Auch in den gesellschaftlichen Diskussionen scheint diese Frage immer mehr in den Vordergrund zu rücken: Worauf kommt es an im Leben?

Rüdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse

05.06.2024

14:42 | Leserzuschrift: Wählen oder nicht, aber was sonst?

Hallo, ob wählen was ändert, darüber gibt es geteilte Meinungen. Was mich jetzt aber wirklich interessiert, ist, wie die  Nichtwählenbefürworter eine Änderung der Zustände erreichen wollen. Wie will man die Regierung zur Kursänderung oder zum Rücktritt bewegen? Nach einem Rücktritt, wird es ja Neuwahlen geben - was dann - oder welche Alternative kann es geben?
Wie organisiert man sowas und wer kann das?

Wenn es auf all das eine Antwort gibt, können Sie in ihrem persönlichen Umfeld Leute davon überzeugen? Sagen wir 10 Leute... und wird das dann ausreichen, um eine tragfähige Regierung - oder wie auch immer das dann auch genannt wird- zu bilden?

Ich hab da Zweifel und auch keine Idee... und so würden mich solche Konzepte interessieren und wäre nicht dann das dringend erforderlich, das derzeit nie erwähnt wird, dass Demokratie nicht heißt, einmal in n-Jahren ein Kreuz zu machen, sondern eigentlich auch, sich in der Zwischenzeit aktiv zu beteiligen? Kann man davon ausgehen, dass das zu erreichen ist und auch
hier wie?

Vielen Dank schon jetzt an alle, die dazu etwas sagen können und wollen.

18:00 | Die Eule  
Werter Leser, wer einen gewissen Krankheitszustand erreicht hat, der greift zu einem Heilmittel Da gibt es ja immer noch die inzwischen geächteten homöopathischen Mittel.
Die bieten nun ein ideales Beispiel für die mögliche Heilung eines gefährlich kranken Staatszustandes. In dieser Heilmethode gibt es ja den Begriff der Erstverschlimmerung und
die zeigt an, wie gut Heilwirkung der Substanz ist. Führt nun eine entsprechende Wahl zu dieser heilsamen Erstverschlimmerung , werden dabei sicher schon einige Krankheitserreger
kraftvoll beseitigt und andere besinnen sich zur Flucht. Der Staatskörper beruhigt sich wieder und aufbauende Substanzen beginnen in ihm wieder zu kreisen. So wird auch der Fieberschub der Erstverschlimmerung bald wieder in Vergessenheit geraten. So eine Erstverschlimmerung-Wahl könnte also ein echter Weg der Heilung sein. 

19:40 | Spartakuss zu 14:42 Uhr  
Werter Leser, ob es sinnvoller ist, wählen zu gehen, oder ob das passiv aggressive nichtwählen eine Alternative ist, ist gar nicht so einfach zu beantworten.
Zuerst schaue ich mir mal, die momentanen Parteien, mit ihren personellen Wahlmöglichkeiten an und überlege mir, was sie für ideologische Wertvorstellungen haben.
Welche staatliche Ausbildung/Propaganda, haben diese Genossen genossen?
Wie sind sie aufgewachsen und wo sind sie
aufgewachsen?
Welchen Bildungsweg haben sie durchlaufen und welchen Bildungsgrad haben sie erreicht?
Wer waren ihre politischen Mentoren und Berater?
Wieviel mussten sie Lügen und Betrügen, um an die segensreichen Geldquellen zu kommen?
Nehmen wir doch einfach mal, die momentanen wichtigen Personen in der deutschen Politik und schauen uns an, wie diese Personen zusammen, als Vertreter des sogenannten STAATES, mittels Propaganda manipulieren müssen, oder ob sie mit ehrlicher und realitätsgetreuer Berichterstattung, das Wahlvolk INFORMIEREN?
Und schon sind wir bei den Staatstreuen-Medien, wo jeder angestellte Journalist, eine eventuelle politische Systemhure sein muß, um Karriere zu machen.
Okay wir schaffen es, diese Regierung zum Rücktritt zu schneiden.
Dann wählen wir die Günstlinge/Metastasen, der weggewählten Ampelfarben-Revolution und haben dann, dass gleiche geistige Massenbewusstseinsdesaster erwählt.
Robert Greene hat das Buch "Power" geschrieben, mit den 48 Gesetzen der Macht.
Er beschreibt doch sehr detailliert, wie es schon immer, in der Geschichte der Menschheit, in der politischen Macht-Hierarchie abläuft.
Um diese politische Geisteskrankheit auszumerzen, hilft auch keine atomare Bestrahlung hin und wieder.
Egal welche Partei gewählt wird und es ist auch egal, welche Personen in die Staatsämter gehievt werden.
Hinter den politischen Entscheidungsträgern, sitzen seit je her, nationale und internationale reiche und superreiche Geldsäcke.
Diese Geldsäcke haben früher schon das Weltgeschehen beeinflusst und im Laufe der Zeit, sind sie noch reicher und EINFLUSSREICHER geworden.
Es wächst genau das nach, was gesät und gezogen wurde.
Machen wir doch einfach mal, eine landesweite Befragung an den Studenten und besonders an den negativen Studentinnen, in den eingedeutschten Universitäten, welcher politischen Ideologie, sie anheim gefallen sind.
Es kann mit Fiat-Money nicht besser werden und mit der Einführung von CBDC, wird es ohnehin zu Sodom und Gomorrha!
Beim wählen gehen immer schön aufpassen, dass das Kreuz, sich im Kreis der Verblödung befindet.
Es könnte sonst, eine ungültige Stimme hervorrufen.
Ich werde es jedenfalls versuchen und meine Stimme, in aller Ruhe und ohne einen Ton abzugeben und dann voller Stolz, sie in eine Wahlurne zu werfen.
Das muss ein Mensch, mit gesundem Verstand erst einmal schaffen und akzeptieren.
Seine lautlose STIMME, mit einem Kreuz für Analphabeten abzugeben.

19:40 | Leser Kommentar zur Eule  
Werte Eule, wie darf ich das Geschriebene im Hinblick auf die Frage (nicht) zur Wahl zu gehen verstehen?

Diese EU-Wahl ist für den Ar***, eine Show, nichts, womit tatsächlich direkt irgend etwas positives bewerkstelligt werden könnte. Die einzelne Stimme als solche ist vollkommen irrelevant im Hinblick auf die direkte Gestaltung der EU. Aber, sie hat - analog zu den sonst eigentlich auch wirkungslosen Demonstrationen - eine Wirkung auf andere Bürger. Entweder es kommt zu der Meinung, das ohnehin alles egal sei. Oder eben, das sich die Menschen bewußt werden, das sie nicht als einzelner Mensch unzufrieden sind, sondern das es viele Unzufriedene gibt. Dies ist für den aktiven Wähler die eigentlich zu beabsichtigende Wirkung der Wahl.